Was sie wirklich bedeutet (und was nicht)

Es gibt Begriffe mit denen wir uns erst beschäftigen, wenn es darum geht, „off the world“ zu leben. Denn normalerweise machen wir uns darüber keine Gedanken.

Staatsbürgerschaft ist so ein Wort. Wir haben sie von Geburt an und verschwenden keinen Gedanken daran. Allenfalls noch diejenigen unter uns, die von Anfang an zwei davon haben oder dann, wenn wir uns mal wieder einen neuen Reisepass besorgen müssen.

Aber gerade, wenn Menschen beginnen, „off the world“ zu denken, also jenseits des gewohnten Systems von Wohnsitz, Steuerpflicht und nationaler Identität, entsteht zuweilen Verwirrung.

Manche glauben: „Wenn ich auswandere, verliere ich meine Staatsbürgerschaft.“

Das ist natürlich falsch. Nur weil ich in einem anderen Land lebe und mich beispielsweise in Deutschland abmelde, verliere ich nicht meine Staatsbürgerschaft. Ich bin auch Deutscher Staatsbürger, wenn ich in Irland lebe oder in Mexiko. Es sei denn, ich entscheide mich aktiv dafür, das zu ändern, was unter bestimmten Bedingungen möglich ist, aber nicht einfach so passiert. Lasst uns deshalb mal einen kurzen Überblick wagen.

Wie ist eine Staatsbürgerschaft juristisch definiert

Die Staatsbürgerschaft (auch: Staatsangehörigkeit) ist die rechtliche Zugehörigkeit einer Person zu einem Staat. Sie ist ein dauerhaftes Rechtsverhältnis zwischen Individuum und Staat.

Dieses Verhältnis beinhaltet Rechte:

  • Schutz durch den Staat (auch im Ausland)
  • Politische Rechte (z. B. Wahlrecht)
  • Zugang zu öffentlichen Leistungen
  • Unbeschränktes Aufenthaltsrecht im Staatsgebiet
  • Anspruch auf einen Pass

Und natürlich auch Pflichten:

  • Steuerpflicht (je nach System)
  • Wehrpflicht (falls vorhanden)
  • Loyalitätspflichten
  • Einhaltung der Gesetze (gilt natürlich auch für nicht-Staatsbürger)

Wichtig, die Staatsbürgerschaft ist kein Wohnortstatus und sie ist auch keine Aufenthaltserlaubnis, wenngleich die in der Staatsbürgerschaft enthalten ist. Sie ist die formelle Mitgliedschaft in einem Staat.

Wie erwirbt man eine Staatsbürgerschaft

Typischerweise durch:

  • Abstammung (ius sanguinis), also durch die Staatsbürgerschaft der Eltern
  • Geburt im Staatsgebiet (ius soli), in vielen Ländern automatisch.
  • Einbürgerung in ein Land, nach Wohnsitzdauer, Integration, Sprachkenntnissen etc. Je nach Land unterschiedlich schwierig bzw. einfach.

Was ist KEINE Staatsbürgerschaft

Hier beginnt die große Verwechslung, denn viele Begriffe werden im Alltag durcheinandergeworfen. Keine Staatsbürgerschaft sind:

  • Daueraufenthalt
  • Permanent Residency
  • Niederlassungsbewilligung
  • Aufenthaltsgenehmigung
  • Visum
  • Arbeitsgenehmigung
  • Steuerlicher Wohnsitz

All das hat nichts mit Staatsbürgerschaft zu tun und führt weder zu einem Pass, noch zum Verlust eines Passes.

Aufenthaltsgenehmigung, was ist das?

Eine Aufenthaltsgenehmigung ist lediglich das Recht, sich in einem Staat aufzuhalten.

Sie kann sein:

  • zeitlich befristet (Visum)
  • langfristig (Permanent Residency)
  • an Bedingungen geknüpft (Arbeit, Studium, Investition)

Sie begründet keine politische Zugehörigkeit, sie verleiht keinen Pass und sie macht dich nicht zum Staatsbürger. Du bleibst Bürger deines Ursprungsstaates, lediglich mit dem Recht, dich in deinem Wunschland aufzuhalten.

Der große Irrtum: „Auswandern = Staatsbürgerschaft verlieren“

Das ist einer der häufigsten Denkfehler. Auswandern bedeutet lediglich dass du deinen Wohnsitz in ein anderes Land verlegst. Mehr nicht. Du verlierst dadurch nicht automatisch deine Staatsbürgerschaft.

Beispiel:

Ein Deutscher zieht nach Irland. Er bleibt deutscher Staatsbürger, selbst wenn er dort 20 Jahre lebt. Er hat weiterhin den deutschen Pass, das Wahlrecht in Deutschland (unter bestimmten Bedingungen) und Anspruch auf konsularischen Schutz. Dasselbe gilt für die meisten Länder weltweit.

Wann verliert man eine Staatsbürgerschaft tatsächlich

In der Regel nur durch:

  • Aktiven Verzicht, z. B. durch formelle Ausbürgerung auf Antrag
  • Annahme einer anderen Staatsbürgerschaft, wenn das Ursprungsland keine Mehrstaatigkeit erlaubt
  • Seltene Sonderfälle wie z. B. schwere staatsfeindliche Handlungen in bestimmten Ländern

Aber das ist ein formaler Verwaltungsakt, er passiert nicht „einfach so“ durch Umzug.

Warum wird das so oft verwechselt?

Weil mehrere Ebenen durcheinandergeraten. Nämlich der Wohnsitz, also da wo du lebst, der steuerliche Wohnsitz, da wo du Steuern zahlst, dein Aufenthaltsrecht (Visum), also Länder in denen du dich legal aufhalten darfst und die Staatsbürgerschaft in dem Staat in dem du geboren wurdest oder dessen Staatsbürgerschaft du angenommen hast.

Diese Ebenen sind voneinander unabhängig. Du kannst in Land A leben, in Land B steuerlich ansässig und Staatsbürger von Land C sein. Das ist legal und weltweit gängige Praxis.

Mehrstaatigkeit. Realität der globalen Welt

Viele Länder erlauben heute doppelte oder sogar mehrfache Staatsbürgerschaften.

Das bedeutet, du kannst zwei Pässe besitzen. Zwei Staaten können dich als Bürger anerkennen. Das ist kein Graubereich, es ist juristisch etabliert und ganz und gar nicht selten. Man denke nur an die vielen türkischstämmigen Bewohner Deutschlands. Ganz viele davon haben beide Staatsbürgerschaften.

Und eine Menge Menschen die „off the world“ leben, besorgen sich ganz aktiv weitere Staatsbürgerschaften, teilweise in Ländern ihrer Vorfahren oder durch diverse Programme in karibischen oder afrikanischen Staaten. Das Ziel ist maximale Unabhängigkeit von einem einzelnen System.

Man bekommt die Möglichkeit, die Staatsbürgerschaft eines Landes aufzugeben, falls sich dessen politisches System gegen einen zu wenden beginnt. Das geht aber nur, wenn man zu diesem Zeitpunkt bereits eine weitere Staatsbürgerschaft erworben hat.

Die emotionale Ebene

Interessant ist, dass die Verwirrung oft nicht juristisch entsteht, sondern emotional. Für viele Menschen ist Staatsbürgerschaft gleichgesetzt mit Heimat, Identität, Zugehörigkeit und Sicherheit.

Deshalb wirkt Auswandern wie ein „Bruch“. Juristisch ist es das nicht, es ist lediglich eine Wohnsitzentscheidung, mehr nicht.

Wer beginnt, international zu denken, merkt schnell dass Systeme verschachtelt und Begriffe präzise sind, Emotionen aber nicht.

„Off the world“ heißt nicht Staatenlos, Illegal oder Heimatlos zu sein. Es bedeutet, die Spielregeln zu verstehen und das gesamte Spiel zu spielen, nicht nur den kleinen Teil in den man hineingeboren wurde.

Wenn du die Begriffe sauber trennst, kannst du frei entscheiden wo du leben willst, wo du steuern zahlst, wo du die Staatsbürgerschaft anstrebst oder ablegst.

Staatenlosigkeit, ein Sonderfall

Echte Staatenlosigkeit bedeutet, keine Staatsbürgerschaft zu besitzen. Das ist selten und fast immer problematisch. Du hast keinen Pass, erschwerte Reisebedingungen und eingeschränkte Rechte.

Auswandern führt nicht dorthin, echte Staatenlosigkeit ist ein gesonderter Status der die meisten Leser dieses Artikels niemals betreffen wird.

Der Begriff „Staatenlos“ in der „off the world“ Gemeinde

Oft verwechselt wird echte Staatenlosigkeit mit dem Begriff „Staatenlos“ wie ihn der Vorreiter unter den perpetual travellern Christoph Heuermann etabliert hat. In diesem Zusammenhang bedeutet er nicht das Fehlen jeglicher Staatsangehörigkeit sondern das genaue Gegenteil davon.

Das Anstreben möglichst vieler Standorte, möglichst mehrerer Pässe, das Streben nach einer möglichst breiten Verankerung in der Welt.

Fazit

Staatsbürgerschaft ist ein dauerhaftes Rechtsverhältnis zwischen dir und einem Staat.

Sie ist nicht dein Wohnort, dein Visum, deine Steueradresse, dein Gefühl von Heimat. Auswandern bedeutet, du ziehst um, mehr nicht. Wenn du deine Staatsbürgerschaft aufgeben willst, musst du das bewusst und formal tun.

Und genau diese begriffliche Klarheit ist der erste Schritt, wenn man beginnt, die Welt nicht mehr nur geografisch, sondern strukturell zu sehen.

Off the world heißt nicht außerhalb des Systems. Es heißt, du verstehst es und nutzt es für dich.

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